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05. Februar, 15:33 Uhr

Toleranz am Spiegelbild üben


Ich (die besten Artikel sind die, die mit "Ich" losgehen) habe ja schon jede Menge Zeug rezipiert. Ich habe viel Mist gehört und viel Schwachsinn gesehen. Wenn man ein bißchen kritischer durch die Welt läuft, etwas mehr hinterfragt, dann passiert es zwangsläufig, daß man die Hand gar nicht mehr vom Kopf wegnehmen möchte. Mein Hals ist schon ganz steif geworden, vom ganzen Kopfschütteln, mein Mund ganz trocken vom vielen Seufzen.

Aber als vernunftbegabtes Wesen muß ich natürlich auch das Hinterfragen stets hinterfragen. Liege ich mit meiner Sicht der Dinge richtig? Möglichst in einer Epsilonumgebung um den Zustand herum, den ein allwissendes, übernatürliches Wesen als Objektivität deklarieren würde? Dadurch, daß die meisten Dinge in der Welt nicht klipp und klar mit einem Ja oder einem Nein abgetan werden können, ertrinken wir Menschen förmlich in einer Flut an Grautönen. Selbstverständlich verlieren wir dadurch die Übersicht. Wenn wir die Übersicht verlieren, verlieren wir die präzise Einschätzung der Relevanz (weltlich gesprochen: wir steigern uns in was hinein). Wir messen Kleinigkeiten viel Aufmerksamkeit zu und ehe wir uns versehen, ist das Leben vorbei.

Um es mit den Worten von Bill Foster aus dem Film Falling Down zu sagen: Jetzt wirst du sterben, mit diesem idiotischen kleinen Hut auf dem Kopf. Wie fühlt man sich da?

In der Informatik gibt es einen Programmieransatz, den man Black Box Verfahren nennt. Von einem Baustein Quellcode kennt man nur das, was man reingibt und das, was rauskommt. Man kann also getrost die Funktionsweise vergessen. Man blendet Dinge aus. Man abstrahiert, wenn man so will.

Das mache ich auch gerne. Ich denke lange darüber nach, ob Zustand XY gut oder schlecht ist und dann wird dieses Wissen in meinem Weltbild verwebt. Möglicherweise wird er von Zeit zu Zeit überdacht. Aber er existiert möglichst nicht als Grauton. Als undefinierbares Wabern zwischen den Wahrheiten.
Es ist eine Form von Extremismus. Und auch wenn ich alleine eine Autobahn voller Geisterfahrer hinauffahren muß, ich fahre gut damit. Mein Weltbild ist klar, deutlich, präzise, es ist unromantisch und hoffnungslos, es enttäuscht mich nicht, ich weiß was ich will und ich weiß, was ich nicht will. Ich weiß, daß mit dem Tod alles endet und ich weiß, daß der Weltenraum keine Grenzen hat.

Und das ist alles, was ich brauche. Daß ich damit eine Ausnahme bin, ist ein alter Hut. Eine Bürde, die ich nur begrenzt mit Stolz trage. Während ich nämlich nun in einem Weltbild lebe, das vorne und hinten trivial deutlich ist, geht es gesellschaftlich jede Woche eine Stufe abwärts. Das nicht, weil die Leute über mich die Nase rümpfen und sagen, daß ich'n Spinner bin. Nein, weil mich die anderen Menschen mehr und mehr anwidern.

Diese dummen Normalos, diese konsumierenden Spinner. Diese Trendnachläufer. Die Nachplapperer. Diese Geldgeilen. Die Egoisten. Die Grautonschwimmer. Die Grautonertrinker.

Ich ertrage Euch nicht mehr! Ich halte Euch für unbegrenzt unfähig. Weg mit Euch! Weg mit Euch! Übt Eure Toleranz am eigenen Spiegelbild! Da wird sie gebraucht.

Eigentlich wollte ich in diesem Artikel über die schönsten Supportanfragen in 8 Jahren Internettätigkeit reden. Dann habe ich mich in was reingesteigert, nichts für ungut. Vielleicht ein andermal.
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