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21. Februar, 02:13 Uhr

Wer überwacht die Vogelgrippe?


Es ist - mal wieder - was faul, im Staate Deutscheland. Nunja. Es ist oft was faul, aber diesmal regen mich zwei Sachen wieder latent auf. Grund genug, den Zorn mit meinen Lesern zu teilen.

Eins: die massive Ausweitung der Telekommunikationsüberwachung, die letzte Woche fast einstimmig von der großen Koalition im Bundestag beschlossen wurde. Damit müssen Telekommunikationsverbindungsdaten, wie alles, was der gläserne Bürger im Internet betreibt oder wen er wann angerufen hat, für 6 Monate gespeichert werden. Die Beschränkung, daß die Stasi.. äh... der Staat darauf nur dann Einsicht erhält, wenn er eine Strafe verfolgt, soll auch noch fallen.
Zusammen mit der E-Mailüberwachung ergibt das ein furchtbar trauriges Bild und Orwell würde im Grab rotieren.

Jeder, der nur einen Funken Urteilsvermögen sein Eigen nennt, sollte merken, daß der Staat hier einen Weg einschlägt, der eindeutig der falsche ist. Nicht ein einziger Terrorist lässt sich durch diese Maßnahmen fangen und nicht ein einziger Anschlag verhindern. Die bösen Buben nutzen nämlich Verschlüsselung. Es sind schon fast wieder Zustände, wie im dritten Reich oder der DDR. Hätte Anne Frank ihr Tagebuch in der heutigen Zeit und digital verfasst, dann wäre sie über Seite 1 nicht hinausgekommen.
Es geht abwärts, meine Damen und Herren! Merkt Euch das und macht bei der nächsten Wahl das Kreuz an der richtigen Stelle!

Ironischerweise kann ich dazu nur Benjamin Franklin zitieren, der nicht treffender hätte formulieren können:
Wer grundlegende Freiheiten aufgibt, um etwas Sicherheit zu gewinnen, verdient weder Freiheit noch Sicherheit!

In der Konsequenz habe ich mein E-Mailpostfach bei einem deutschen E-Mailprovider gekündigt, denn dieser ist von der neuen Gesetzgebung betroffen. Ansonsten empfehle ich JAP um anonym und verschlüsselt zu surfen. PGP oder GnuPG sollte standardmäßig genutzt werden, um elektronische Korrespondenz zu betreiben.

Es geht nicht darum, ob man etwas zu verbergen hat oder nicht. Es geht um die Freiheit, die wir als zu selbstverständlich hinnehmen und die uns genommen wird, ohne daß wir es merken. Die Privatsphäre muß durch den Staat geschützt werden und nicht von ihm untergraben.

Zweitens: die Vogelgrippe tobt und alles dreht durch. Ich habe heute noch mit dem Fernglas auf den angrenzenden Teich geschaut. Melde gehorsamst: alle Gänse und Enten sind wohlauf und in fröhlicher Paarungsstimmung. Der Fakt, daß der Vogelgrippevirus Deutschland erreicht hat, war abzusehen, schon seitdem der Virus vor vielen Monaten den Weg Richtung Westen antrat. Die Gefahr einer Mutation, die eine Pandemie auslösen wird, ist gegeben. Die ist aber genauso dann gegeben, wenn der allseits beliebte Grippevirus eines Tages mal besonders frech mutiert.

Daher eine Liste mit Dingen, die wir aufgrund der Vogelgrippe nicht tun sollten:
  • in Panik ausbrechen.
  • die Bundeswehr auf den Plan rufen.
  • Autos von Rügen kommend von außen desinzifieren.
  • Vollständige, gesunde Ställe keulen.

    Das will ich kurz begründen: eine Panik ist, wie schon oben angemerkt, überflüssig; da wäre meine Panik größer, daß morgen die Sonne nicht mehr scheint. In meinem Kleiderschrank hängt ein T-Shirt, darauf steht: Ich habe die Maul-und-Klauenseuche überlebt und ich bin optimistisch, daß es auch diesmal gut geht. So wie auch beim BSE und beim Akrylamid und beim Feinstaub.

    Denn: die zuständigen Behörden arbeiten gut und in Deutschland natürlich, wie üblich, penibel gut. Alles ist unter Kontrolle und die Situation normal. Die Bundeswehr steht einzig und allein deswegen Spalier, weil irgendwelche Supertorfnasen unsere Armee auch zur Fußball-WM (eine Katastrophe per definitionem) an den Stadien platzieren möchte. Und jetzt will man zeigen, daß man da ist und daß man gut(TM) ist. Man höre und staune: die Bundeswehr! Im Inland! Es geht so steil abwärts, man hört schon kaum noch den Zugwind.

    Man kann sich auch getrost sparen, Autos zu desinfizieren, die Rügen verlassen. Wir sprechen hier nämlich von zum Schreien komischen Sicherheitsmaßnahmen gegen die Vogelgrippe. Eine Eigenschaft von zumindest sehr vielen Vögeln ist es, daß sie fliegen können. Die wenigsten kranken Tiere werden sich außen an einem Auto festkrallen.

    Komplette Ställe mit hunderten von gesunden Tieren abzuschlachten ist vielleicht eine nette Geste, aber ebenso überflüssig wie nutzlos. Merke: der Tod eines gesunden Tieres verjagt nicht den Virus.

    ---

    Ich weiß ja, wie empfindlich der Durchschnittsdeutsche darauf reagiert, also wieso versuche ich es nicht auch mal mit einem Vergleich zum Nationalsozialismus des letzten Jahrhunderts?
    Jeder Bürger wird überwacht, die Armee kriegt den Befehl im Inland (ohne Katastrophe!) zu agieren und hunderte unschuldiger Leben werden ausgelöscht. Da muß man sich mal langsam an den Kopf greifen. Aber Vorsicht, man könnte ins Leere greifen!
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