Im Oktober des letzten Jahres habe ich ins Blaue geschossen und
eine Dekade Gitarrenfrickelei gefeiert. Irgendwann in
diesem Jahr muß ich noch feiern, daß ich seit 10 Jahren das Internet nutze. Dazu muß ich dann nochmal ins Blaue schießen... aber erst später!
In diesen 10 Jahren habe ich es tapfer vermieden, den kleinen Finger beim Spielen zu benutzen. Das ist natürlich dumm. Wenn man schon 4 Finger zum Spielen hat, dann sollte man sie auch nutzen. Nur ist es mit dem kleinsten der Finger der linken Hand nun wirklich nicht so einfach. Er hat keine spürbare Koordination, er ist viel zu kurz und bewegt sich meistens mit, wenn der Ringfinger was macht.
Daß ich ihn gar nicht benutzt hätte, wäre aber gelogen. Bei Akkorden ist er seit jeher unentbehrlich und bei Akkordkapriolen ebenso. Aber bei Soli verlasse ich mich immer auf meine tapferen drei Mittelfinger. Anfangs war's nur der Zeigefinger, dann kam der Mittelfinger hinzu und der Ringfinger hat inzwischen dasselbe Spielgefühl wie seine beiden Vorgänger.
Seit gestern trichter' ich unter Schmerzen dem kleinen Finger ein, wie er sich zu verhalten hat. Heute konnte man schon Fortschritte feststellen, zur Belohnung werde ich ihm bald den Nagel schneiden. Ich bin sehr froh, daß ich nicht noch einen 6. Finger an der Hand habe. Trotzdem bin ich zuversichtlich, daß der Kleinste in wenigen Monaten festes Mitglied des Musikvereins Linke Hand e.V. sein wird; meine Steuerungseinheit im Denkapparat hat sich bei der Feinmotorik immer recht unkompliziert angestellt.
Aber wozu braucht man den kleinen Finger noch so? Während ich diesen Artikel tippe merke ich, daß er die linke Shifttaste bedient... was jetzt natürlich immer ein bißchen weh tut, wegen dem harten Training. Der rechte kleine Finger macht sich manchmal bei der Entertaste nützlich oder beim Ä. Oder so.
Die meisten Leute die ich kenne, nutzen den kleinen Finger nur, um ihn beim Trinken vom Glas abstehen zu lassen. Einige Frauen streichen sich manchmal damit über die Augenbrauen, das macht mich ganz buschig. Manche bohren damit auch nach allerhand festgewordenen Sekreten in Ohr und Nase.
Aber was fängt man denn sonst so mit dem kleinen Finger an? Evolutionsbiologisch ist die fünfstrahlige Hand ja furchtbar erfolgreich. Ob Paarhufer oder Unpaarhufer, irgendwie lassen sich die fantastischen Fünf immer erahnen. Zumindest solange es ein Säugetier ist. Aber auch Eierleger haben fünf. Wenn das mal kein Indiz für Darwinismus ist, liebe Kreationisten.
Tjo. Und während ich so auf meinen kleinen Finger starre frage ich mich, ob er sich eines Tages komplett zurückbilden wird... Moment, halt! Streng nach Darwin kann das gar nicht passieren, weil es sicher kein Selektionsvorteil wäre. Vor allem nicht beim Menschen. Da habt Ihr Euer Gegenargument, Ihr Kreationisten!
Mir gelingt es jedenfalls nicht, den kleinen Finger einzuklappen, ohne den Ringfinger mit einzuklappen. Ja, selbst wenn ich den Ringfinger festhalte, dann bleibt der kleine Finger stur gerade. Mh! Die Kleinsten sind eben immer die Kompliziertesten.
Wozu benutzt
Du eigentlich Deinen kleinen Finger?