6:45 Uhr: Der Wecker schellt.
Amoklaufwahrscheinlichkeit bei 4%. Marco springt aus dem Bett, reisst das Fenster auf und begrüßt freudig eine verregnete Welt. Heute geht's nach Köln!
7:03 Uhr: Die Zähne sind geputzt, der Rechner hochgefahren. Ein paar falsch aussortierte Spammails werden geordnet. Ach, das Leben ist toll!
7:10 Uhr: Marco reisst den Deckel von seinem Gute-Morgen-Drink ab. Alustreifen bleiben dran. Mh. Dann eben gefiltert getrunken.
7:11 Uhr: Marco gießt sich etwas über den Pullover, als er ein Stück Alu verschluckt.
7:40 Uhr: Auto wird bestiegen und los geht's. 25 Minuten Fahrtzeit gerechnet bis zum Bahnhof Duckterath. Wipperfürth, B506. Ortsausgangsschild: zwei Lieferwagen fahren voraus.
7:55 Uhr: Marco liegt schlecht in der Zeit. Bahn fährt um 8:15 Uhr. Vor den beiden Lieferwagen fährt ein Rentner. Der macht sich dadurch beliebt, daß er ohne Grund viermal ungelogen auf 20 km/h runterbremst, als würde er - auf einer Bundesstraße wo 70 bis 100 erlaubt ist - was suchen. Lieferwagen überholen nicht. Drei Fahrzeuge überholen ist zuviel. Selbst für Marco.
8:05 Uhr: Amoklaufwahrscheinlichkeit 35%
8:10 Uhr: Rentner hält am Seitenstreifen. Danke! Amoklaufwahrscheinlichkeit 20%.
8:12 Uhr: Lieferwagen 1 biegt ab. Amok: 19%.
8:14 Uhr: Lieferwagen 2 biegt ab. Der Scheibenwischer wischt endlich den Dreck der Vordermänner runter und man kommt endlich vom Fleck. Wisch wisch! Spüli drauf! Wisch! Wisch!
8:15 Uhr: Wisch! Wisch! Wisch! Wisch! Wink! Wink! Die Polizei winkt Marco raus. Amoklaufwahrscheinlichkeit 60%.
8:16 Uhr: Polizist stolziert um's Auto. Marco senkt erschreckend ausgeglichen atmend die Scheibe. Polizist fragt nach Fahrzeugpapieren und Führerschein. Marco händigt Führerschein aus und sucht die Fahrzeugpapiere.
8:18 Uhr: Polizist wird ungeduldig und zusehends nasser. Amoklaufwahrscheinlickeit sinkt. 55%. Marco sucht in aller Ruhe weiter.
8:20 Uhr: Inzwischen tummeln sich 4 weitere Verkehrssünder an der kleinen Bushaltestelle. Alle steigen aus und bezahlen in der Bushaltestelle. Marco sitzt noch im Auto und lässt den Polizisten vollregnen. Sucht in aller Ruhe nach den Papieren. Amok 45%.
8:21 Uhr: Der Polizist fragt, wem das Auto gehört. Marco antwortet wahrheitsgemäß, daß das bestimmt auf den Fahrzeugpapieren steht.
8:22 Uhr: Marcos Autoinnenraum wird naß. Der Polizist könnte noch was mehr. Trotzdem entscheidet sich Marco, an der richtigen Stelle zu suchen. Händigt Fahrzeugpapiere aus.
8:23 Uhr: Polizist erzählt, daß Marco 14 km/h zu schnell unterwegs war. Marco muß lachen und sagt dem Polizisten ebenfalls wahrheitsgemäß, daß das ja nun wirklich ein außergewöhnlicher Glücksfall wäre.
8:24 Uhr: Polizist hat Ironie nicht verstanden und rechnet vor, daß 14 - 3 Toleranz = 11 zuviel ist. Marco denkt darüber nach, daß er normalerweise mit 11 km/h spazieren geht. Amoklaufwahrscheinlichkeit steigt auf 50%. Marco überlegt, ob er den Revolver des Polizisten erreichen kann.
8:25 Uhr: Polizist "bietet" Bußgeld über 25.-EUR an. Amoklaufwahrscheinlichkeit 75%. Aber nicht wegen den Piepen, sondern wegen der Formulierung. Marco übergibt die ec-Karte und tippt die Geheimzahl 3825 in das mobile Bürgerschröpfgerät.
8:26 Uhr: Marco überlegt, wieso der Polizist mobil sein Geld stehlen kann, aber nicht mobil nachschauen, ob er einen Führerschein hat. Amok 76%.
8:27 Uhr: Der Polizist sagt, daß die Geheimzahl falsch ist. Marco hat das erwartet und gibt die richtige ein.
8:33 Uhr: Der Polizist kommt mit einer Quittung wieder und wünscht gute Weiterfahrt. Marco fährt weiter.
8:38 Uhr: Perfekte Ankunft in Duckterath um den Folgezug um 8:45 Uhr zu erwischen. Bei der Parkplatzsuche geht Marco auf, daß 8:15 Uhr plus 20 Minuten nicht 8:45 Uhr ist, sondern 8:35 Uhr. Amoklaufwahrscheinlichkeit 80%. Kein Revolver mehr in Griffweite.
8:50 Uhr: Parkplatz gefunden, nur 3 Kilometer vom Bahnhof entfernt. Gemächlicher Regen wird zu Platzregen.
8:55 Uhr: Der Zug fährt Marco beinahe vor der Nase weg. Im Zug sind alle Vierersitzplätze von 2 Leuten besetzt. Die einen trinken jetzt schon Bier, die anderen lesen den Wirtschaftsteil der Zeitung, die anderen glotzen Marco an.
8:57 Uhr: Marco bleibt stehen, schaut aus dem Fenster in die schönsten Barrackenviertel der Umgebung und versucht dem Trieb zu widerstehen, dem Fahrgast, der am dümmsten glotzt (
und Bier trinkt) eins indirekt vor die Mappe zu geben, indem er die Notbremse direkt vor seiner Nase zieht. Er hofft, daß der Fahrgast dann zumindest die Flasche ins Auge kriegt.
8:58 Uhr: Der Zug bremst ab und fährt den Rest der Strecke mit 30 km/h.
9:20 Uhr: Ankunft Köln Hauptbahnhof. Auf dem Weg zur U-Bahnstation plärren Lautsprecher hysterisch, daß irgendwelche Leute irgendwo zurücktreten sollen. Marco wühlt sich durch die Menschenmaßen und nimmt unterbewußt zur Notiz, wo sich die 4 Streifenpolizisten aufhalten. Ob die Revolver haben? Mit einem Druckknopf gesichert? Oder mit zweien? Wieviel Munition die wohl haben?
9:30 Uhr: Die U-Bahn fährt mit 20 km/h Richtung Ziel. Marco hat einen Sitzplatz, der unter seinem Gewicht beinahe abgebrochen wäre. Marco sitzt schief.
9:45 Uhr: Irgendwas schreit mit 120 Dezibel
APPELLHOFPLAAAAAAATZ! Lautsprecher zu laut! LAUTSPRECHER ZU LAUT! Amok 90%!!
9:45:02 Uhr: Marco geht auf, daß der Appellhofplatz schon 4 Stationen hinter ihm liegt. Dem Schaffner auch. Also muß er alle Stationen durchschalten.
NEUMARKT!!!!!!! POSTSTRASSE!! BARBAROSSAPLATZ!! EIFELWALLLL!!!!9:47 Uhr: Die ersten Fahrgäste setzen sich um, weil Marco zu laut schnaubt. Amoklaufwahrscheinlichkeit 97%.
9:48 Uhr: ULREFORTE!!!!! Marcos Augenlider zucken nun synchron.
9:55 Uhr: CHLODWIGPLATZ!!!!! Marcos Gehirn nimmt Teilabschaltungen vor. Alles was nicht gebraucht wird, muß aus.
10:00 Uhr: UBIERRING!!!!! DIESER ZUG ENDET DORT!!!!! Irgendwas knirscht.
10:02 Uhr: Marco springt aus dem Zug, knapp
neben einen dicken Haufen Hundescheiße. Typ rempelt.
10:07 Uhr: Marco kommt 52 Minuten zu spät. Irgendwas knirscht.
10:08 Uhr: Dumme Fragen werden gestellt. Knirschen.
10:09 Uhr bis 11:45 Uhr Viel mehr dumme Fragen. Knirschen wird lauter.
11:46 Uhr: Marco bemerkt, daß es seine Zähne sind, die Knirschen. Er wird aufgrund des Lärmpegels des Gebäudes verwiesen.
12:00 Uhr: Marco fährt heim. Mehr geht heute nicht. Zu gefährlich. Unterwegs verpasst er noch seinen Zug und wird auf dem Fußmarsch vom Bahnhof zum Auto zuerst beinahe überfahren und durch den dann einsetzenden Platzregen nochmal richtig naß. Rückweg dann hinter Lastwagen her.
Und genau das ist der Grund, warum man zu Marco immer nett sein muß. Wenn die Amoklaufwahrscheinlichkeit über 50% ist, dann ist's wie Russisch Roulette. Bloß mit 3 Kugeln in der Trommel.
Und:
ich wisch' das nicht weg!