Halbheld.de ist sehr stolz, ein Exklusivinterview mit dem Gitarristen, Sänger und Songschreiber von
Powerslave geführt zu haben. Die Band veröffentlichte vor wenigen Stunden ihren neuen Kracher
Holy War, dessen erste Entstehung
schon im Rahmen dieser Seite erwähnt wurde. Seit nun wenigen Minuten steht der
Song zum Download bereit und wurde bereits eine Billiarde mal heruntergeladen.
hh.de: Hallo Marco, vielen Dank, daß du uns dieses Interview gibst! Und herzlichen Glückwunsch zu Holy War! Ein wirklich klasse Song!
Marco: Oh danke! Ich freue mich auch, hier ein bißchen aus dem Nähkästchen plaudern zu können, auch wenn ich deinen Enthusiasmus um Holy War nicht ganz teilen kann.
hh.de: Wieso das nicht?
Marco: Nun, die gesamte Qualität ist ein bißchen hinter dem gewohnten Maßstab zurückgeblieben, was auf eine Reihe von Umständen zurückzuführen ist. Allerdings ist das nur ein Wehrmutstropfen: was der Song an Sound vermissen lässt, macht er meiner Meinung nach durch viele Neuheiten wieder wett. Naja, du hast ihn ja gehört!
hh.de: Ja, schon mehrfach! Wie bist du darauf gekommen, diese klassische und total dramatische Intro zu machen?
Marco: Das hatte sich so angeboten. Im Prinzip handelt es sich hierbei um einen Teil des Solos, nur durch eine andere Instrumentierung verwirklicht.
hh.de: Und woher habt ihr diesen beeindruckenden Männerchor? Und was bedeuten die lateinischen Wörter?
Marco: Der Männerchor besteht de facto nur aus dem
Bassisten und mir, allerdings auf zehn Spuren aufgebläht. Zur Bedeutung... naja, ich will ehrlich sein, ich bin in Latein nie eine große Leuchte gewesen und wenn das alles grammatikalisch richtig ist, dann fresse ich 'n Besen mit Putzfrau. Daher wollen wir lieber gar nicht drüber sprechen! (lacht) Aber grundsätzlich geht's um das, worum's auch im Rest des Songs geht.
hh.de: Danach tritt der Song ja ziemlich flott ziemlich Arsch und du lachst dich dabei so fein kaputt. Wieso?
Marco: Ja, das schönste für mich war dieses niedliche Lachen! (lacht) Der Song soll so ein bißchen Einblick in die Psyche eines Terroristen geben. Ich möchte nicht sagen, daß die alle per se bekloppt sind, aber das hier und da schonmal was ausklinkt, davon gehe ich eigentlich aus. Vor allem wenn man die tragischen Vorgeschichten betrachtet. Daher freut sich der Protagnist so schön... nachdem er alles verloren hat. Übrigens sollen die verschiedenen Stimmen vor'm Refrain auch ein bißchen Schizophrenie vermitteln. Alles in allem ist der Typ nicht ganz koscher, ja. Richtig!
hh.de: Ja, das wollte ich auch noch fragen! Dieses Stimmenwirrwarr... was sagen denn die ganzen Stimmen da?
Marco: Och, so ein paar Schlagworte mit arabischem Akzent und viele Zeilen aus
Enuma Elish!
hh.de: Enuma Elish? Der noch nicht veröffentlichen Metaloper? Echt?
Marco: Ja, ich hatte gerade ein paar Lyrics vor mir liegen und hab sie einfach genommen. Merkt doch eh keiner! (lacht)
hh.de: Nein! Wirklich ein toller Effekt und der Wahnsinn kommt wirklich gut rüber. Gefällt mir sehr gut. Stichwort "kommt gut rüber": dein Gesang hat sich ja erneut verbessert. Die Leute nennen dich schon Freddie Mercury des Powermetals!
Marco: Hab' ich auch gehört. Hab ich gelacht. Also, mal ehrlich, ich mag diese Singereigeschichte nicht. Ich tu's nur, weil wir keine Alternative haben und weil wir nicht auf der Stelle trampeln wollen. Ich bin ganz froh, daß ich über den Gesang Emotionen eigentlich ganz gut vermittelt bekomme und daß ich auch einen Großteil der Töne treffe! (lacht) Ich bin aber mit der Stimme als solche nicht sehr zufrieden und ebensowenig mit der Aussprache. Vielleicht ist's immer so, wenn man seine eigene Stimme hört, aber es ist eben eine Notlösung und mehr soll's auch nicht sein.
hh.de: Wenn ihr einen besseren Sänger sucht, als du bist, dann stellt ihr aber hohe Ansprüche! Da gibt's doch so ein paar Tonlagen... hui! Die sind schon spaßig! Ich hab's probiert! (lacht auch)
Marco: Ja, Powermetal Sänger müssen nun mal gute Sänger sein. Ebenso wie die Gitarristen mit langen und aufwendigen Soli angeben müssen. Das hat diese Musikrichtung so an sich!
hh.de: Schön, daß du es ansprichst! Das Solo gefällt mir wieder ausgezeichnet! Wie kommt man auf diese ganzen Abwechselungen und Noten und Umbrüche und und und?
Marco: Sowas entsteht während der Proben. Es beginnt mit Improvisationen und einem Schmelztiegel von sehr dummen Ideen! (lacht) Dann sag ich zum Bassisten für gewöhnlich, daß er doch mal'n Basssolo machen soll, et voila. Und so schraubt man das eine an das andere und hier noch ein bißchen und da eine Harmonie. Eigentlich ganz spaßig. Sicher nicht das beste Solo, das wir je gebaut haben, aber es zeigt irgendwo schön, was wir können. Und was wir nicht können! (lacht)
hh.de: Also! Alle Achtung! Das Solo ist total abwechselungsreich und, soweit ich weiß, 2 Minuten lang!
Marco: 2 Minuten? Nun. Wenn du das sagst... (lacht)
hh.de: Du klingst ein bißchen heiser!
Marco: Ja, ich habe da so 'ne Art Verkühlung am Hals. Wenn man dann noch im recht kalten Studio die Stimme so derartig belastet, dann sagt die schonmal auf Wiedersehen. Ich sollte öfters Schal tragen.
hh.de: Was mir auch besonders gut gefällt, ist das Ende vom Song!
Marco: Haben wir die Sache mit meiner Gesundheit schon durch?
hh.de: Mh. Nein?
Marco: Doch!
hh.de: Ja. Äh. Also, das Ende, da spielt ihr alle drei, also du, der Bassist und dann der Trommler, ein kleines Solo. Wie kommt man auf so Ideen? Daß man das am Ende so dranpackt und so?
Marco: Das ist geklaut.
hh.de: Von wem?
Marco: Von Edguy!
hh.de: Schön. Egal! Trotzdem gut! Was mir besonders gut bei den neuesten Kreationen gefällt ist, daß ihr sehr viele klassische, epische Elemente in die Songs einbaut. Dadurch entsteht ein wirklich beeindruckender Sound! Wie macht ihr denn?
Marco: Oh, das ist gar nicht so schwer. Man nehme ein Keyboard, ein gutes MIDI VST für Streicher und einen Bassisten. Dann spielt er einen Akkord, den er für passend hält und dann versuche ich zu erklären, welche Ober- und Untertöne ich gerne dabei hätte. Dann probieren wir's aus und am Ende kommt da was wirklich Feines bei raus.
hh.de: Vor allem im Refrain kommt das wiedermal unheimlich gut!
Marco: Ja, gefällt mir auch sehr gut, wobei ich sagen muß, daß das speziell dort eher so ein psychoakustischer Effekt ist. Die Töne gibt's gar nicht. Aber ich weiß, was du meinst!
hh.de: Das klingt ja interessant!
Marco: Deswegen habe ich's erzählt!
hh.de: Nun gut! Vielen Dank für dieses aufschlußreiche Interview! Das war sehr erleuchtend! Ich hoffe, wir sprechen uns nochmal und danke auch im Namen meiner Leser für diese Erleuchtungen zu Eurem neuesten Hit!
Marco: Sehr gerne! Und stay heavy!