Es ist eine schlechte Welt, in der wir leben. Zu dieser abschließenden Erkenntnis bin ich nun nach langer Zeit gekommen und ich muß sagen, daß ich ebenso lange durch die Hoffnung getrieben wurde, daß ich am Ende falsch liegen würde und dies zugeben müßte.
Im Rahmen meiner Aktivitäten und Beschäftigungen, die ich für gewöhnlich nur selten zur Sprache bringe, noch seltener im Rahmen dieser Seite, habe ich furchtbar viele Menschen kennenlernen können. Das schließt sowohl meine inzwischen 8jährigen Bemühungen für den Verbraucherschutz ein, als auch mehr als 20 Jahre Ausbildung.
Jemand könnte argumentieren, daß ich ein sensibles Weichei bin, das nicht für das Haifischbecken Menschheit geboren ist und daß meine Enttäuschung aus meiner verfehlten Sicht der Dinge herrührt. Aber bringen wir es doch auf den Punkt:
Die meisten Menschen sind Arschlöcher.
Lernt man neue Menschen kennen, dann halten sie einen fast immer auch für ein Arschloch. Das ist eine sehr vernünftige Einstellung, die ich leider nicht adaptieren konnte. Ich gehe zuerst immer vom Positivsten aus. Und erliege viel zu oft einer Fehleinschätzung.
Aber die gesamte Psyche des Menschen scheint darauf ausgelegt zu sein und bildet sozusagen den Genotypen für den Phänotyp
Lupus est homo homini. Ich zeigte es bereits - leider wohl nicht überzeugend genug -
am Beispiel der Individualethik: der Mensch
kann gar nicht anders, als egoistisch zu handeln.
Helfe ich dem Nachbarn, erwarte ich Gegenleistung. Schenke ich der Frau, die ich liebe, eine Blume, dann erwarte ich Treue. Bin ich nett, will ich auch nett behandelt werden. Bin ich nicht nett, möchte ich auch nett behandelt werden. Plus eine Milliarde anderer Beispiele.
Da der Mensch im Grunde ein solch widerliches Wesen ist, brauchen wir all den moralischen Kladderadatsch, der das "soziale Miteinander" (ein Euphemismus erster Kajüte) gewährleisten soll. Religionen, Androhungen von Fegefeuern und jede Menge Gesetze, die mit unserer unpräzisen Sprache unpräzise ausgelegt werden und daher erneut aufgebläht werden müssen. Existiert eine Lücke, dann wird es Menschen (=Arschlöcher) geben, die diese Lücke zum eigenen Vorteil ausnutzen werden. Auf Kosten anderer.
Ich bewundere die wenigen Ausnahmen, die der Menschheit fortwährend Gutes tun wollen und niemals verzagen, selbst wenn alle um sie herum lebensunwerte Biester sind.
Jemand, der ein Zahnrad in einem Getriebe ist, jemand, der den eigenen Tellerrand im Alltag nicht überblickt, jemand, der einen Platz in seinem eigenen Mikrokosmos hat, wird dies alles nicht nachvollziehen können. Ebenso fällt es mir zunehmend schwer, daran zu glauben, daß da draußen - neben den Leuten, die ich meine Freunde nenne - auch Menschen sind, die einfach nicht akzeptieren werden, daß jeder andere ihnen sofort die Eingeweide rausschneiden würde, wenn nur genügend Erlös(ung) dabei herausspringt - und selbst im Traum nicht dran denken würden.
Als Naturwissenschaftler weiß ich, daß es sie gibt. Ich frag' mich nur, wie dicht sie gestreut sind.
Ich könnte Geschichten erzählen, die allesamt wahr sind und die allesamt traurige Beispiele für traurige Existenzen sind. Ein abendfüllendes Programm, sehr unterhaltsam, aber absolut verstörend.
Ich frage mich oft, ob es sie gibt,
die Gerechtigkeitsentropie. Und wenn es sie nicht gibt, wie kann man die Fahne weiterhin in den Sturm halten, ohne einen Gott, an den man glaubt und ohne eine dogmatische Erziehung, die einen entsprechend programmiert hat?
Ich weigere mich (noch) zu glauben, daß die guten Menschen unter die Räder der Gesellschaft kommen, nur weil sie
gut sein wollen. Ich glaube weiterhin, daß ich meinen Unmut darüber nicht ewig unterdrücken kann.
Es ist die ultimative Frage, ob man bereit ist, sich selbst zu verraten. Irgendwie beginnt
das Gutsein im Kopf. Und nichts und niemand und kein gutes Zureden oder schlechtes Ausreden der anderen darf da was dran ändern.
Ich beneide die Leute, die sich um sowas keine Gedanken machen können oder brauchen. Aber selbst für diese bemitleidenswerten Kreaturen muß man kämpfen.
Ich weiß nur noch nicht, warum.