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21. Januar, 15:56 Uhr

Individualethik / ethischer Egoismus


In manchen, mitunter durch Alkohol motivierten Gesprächsabende mit tiefsinnigem Hintergrund, hatte ich ein Postulat verkündet, das behauptet, daß jedwedes Handeln des Menschen immer nur egoistisch sein kann. Ohne Ausnahme. Diese Idee ist mir mal gekommen, als ich etwas Selbstloses tat. Und danach bemerkte, wie wohl ich mich dabei fühlte. Es nützte also auch mir, denn ich war stolz, selbstlos gewesen zu sein.

Diese meine Theorie wurde danach gewöhnlicherweise mit Gegenargumenten bedacht, die ich aber alle mehr oder minder einfach abschmettern konnte. So wurde zum Beispiel behauptet, daß auch unterschieden werden müsse, zu einem Handeln aus Zwang. Aber selbst das hat, im extremen Fall, den Selbsterhaltungstrieb zum Ziel und wenn dies nicht Egoismus ist, dann weiß ich auch nicht. Überhaupt waren meine Gesprächspartner nicht mit dem anthropologischen Bild zufrieden, was sich daraus ergab.

In meinen Recherchen zu Artikel "Flugzeuge abschiessen moralisch?" habe ich aber erstaunt festgestellt, daß diese Theorie gar nicht von mir zum ersten Mal gedacht wurde, sondern von den Vertretern der Individualethik. Die behaupten nämlich schon seit geraumer Zeit, daß Handeln letztlich immer durch eigene Interessen motiviert wird.

Die, wie ich auch ich, hatten zwar mit Kritikern zu kämpfen, aber die ihren unterschieden sich von den meinen dadurch, daß sie es formulieren konnten. ;)
Sie lehnen die Theorie nämlich augenscheinlich deswegen ab, da sie in letzter Instanz immer zu einem Kampf jeder gegen jeden (homo homini lupus est) führen würde. Für mich ist das zwar kein Gegenargument, denn gerade Verbündungen im Kampf sind ja mehr als zweckmäßig, aber ich freue mich jedenfalls festzustellen, daß ich eine Theorie nach-gedacht habe, die andere vor-dachten, ohne sie zu kennen.
Denn in meinem Studien der Philosophie wurde mir die Individualethik sicher nicht nahegebracht....soweit ich mich erinnere...

So, jetzt aber zum interessanten Teil dieses Artikels: ich (und meine verstorbenen Brüder im Geiste, unter ihnen kein geringerer als Friedrich Nietzsche) bin der Meinung, daß, egal, was ein Mensch tut, es immer und ohne Ausnahme egoistische Motive sind, die ihn antreiben.
Wenn Mutter Theresa den Armen und Kranken hilft, dann fühlt sie sich danach spitze oder hofft auf die Erlösung durch ihren Gott (ich weiß, daß das Beispiel mit Mutter Theresa unglücklich gewählt ist, weil sie viel weniger die nette Frau war, für die man sie hält. Mißbrauchen wir sie als Archetyp des guten Menschen).
Wenn Person A Person B hilft, dann hofft sie auf Anerkennung oder ihrerseits auf Hilfe von Person B, sofern eines Tages nötig.
Wenn Person C stirbt, dann haben die Hinterbliebenen mit einem Verlust zu kämpfen, aber der Tote kann ihnen nicht leid tun. Denn er ist ja tot. Und leidet nicht.

Die Gebildeten unter meinen Lesern werden einwenden, daß es selbst im Tierreich uneingeschränkte Selbstlosigkeit gibt, von den Verhaltensforschern Altruismus genannt. Demnach muß es die beim Menschen doch auch geben?!
Nein, denn Altruismus ist nachweislich stärker ausgeprägt, je näher das verwandtschaftliche Verhältnis ist. Außerdem werden die Überlebenschancen des Individuums in einer Gruppe deutlich erhöht, daher ist es durchaus sinnvoll, daß ein Vogel den ganzen Schwarm warnt, wenn ein Raubtier in Anmarsch ist.

Ich möchte von meinen lieben Kommentatoren nur ein Beispiel für 100% nicht-egoistisches menschliches Handeln lesen!

Wer ein Beispiel nennt, das mich überzeugt, wird mit einem Kasten Bier bedacht.

Nochmal: ich behaupte, daß es kein selbstloses Handeln gibt.
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