Elementare Konstruktionshandlungen
Elementare Konstruktionshandlungen in Bezug auf die Programmierung des chinesischen Schachspiels XiangQi
Um einen Gegenstand und dessen Regelwerk aus der realen Welt in ein Computerprogramm zu überführen, ist eine sprachkritische Rekonstruktion der relevanten Eigenschaften nötig. Diese erfolgt über die elementaren Konstruktionshandlungen, bestehend aus Abstraktion (Generalisierung), Komposition (Aggregation) und Prädikation (Zuordnung einer Eigenschaft zu einem Gegenstand).
Verdeutlicht werden sollen diese drei Methoden anhand des Beispiels eines chinesischen Schachspieles, das aus 32 Spielfiguren und einem Spielbrett besteht, sowie einem zugrundeliegenden Regelwerk.
Bereits mit der Benennung von 32 Spielfiguren wurde eine Abstraktion vorgenommen, denn geht man den umgekehrten Weg (Konkretion), so schlüsselt sich der Begriff „Spielfiguren“ auf in eine Spielfigur „General“, zwei Spielfiguren „Mandarin“, 2 „Elefanten“, 2 „Pferde“, 2 „Türme“, 2 „Kanonen“ und 5 „Soldaten“ und dies jeweils auf beiden Seiten des Spielfeldes. Im Computerprogramm wird es später dementsprechend eine Instanz „Spielfigur“ geben, die, je nachdem, welche Spielfigurenart sie repräsentiert, mit unterschiedlichen Eigenschaften ausgestattet sein wird. Die Abstraktion stellt also eine sinnvolle Unterscheidung zwischen den beteiligten Gegenständen auf; im Falle des chinesischen Schachspieles zum Beispiel den Unterschied zwischen Spielfigur und Spielbrett.
Die Zuordnung der Eigenschaften der Spielfiguren (Fähigkeiten & Aussehen) zu den ansonsten undifferenzierten Spielsteinen geschieht über die Prädikation, die Aussagen konstruiert, wie „die Spielfigur Turm kann jede nicht-diagonale Richtung gehen, aber nicht springen“. Letztendlich wird über die Prädikation das Regelwerk definiert, das das Spiel ausmacht. Ebenso wird das Spielbrett über Prädikation umschrieben und somit definiert: „Das Spielbrett besteht aus 9 x 8 Feldern. Die Gegner sind durch einen Fluss getrennt.“ Immer dann, wenn eine Eigenschaft oder Definition (oder eben Regel) genannt wird, dann unternimmt man eine Prädikation, die einem Nominator (zum Beispiel dem General) über ein Kopula (zum Beispiel „ist“ oder „kann“) ein Prädikat (zum Beispiel „die wichtigste Spielfigur“ oder „nicht aus dem Palast heraus“) zuordnet.
Die Komposition schlußendlich wird immer dann gebraucht, wenn verschiedene Gegenstände gemeinsam eine kausal aneinander gebundene Gruppe bilden (Abhängigkeit). Dies kann im vorliegenden Beispiel bedeuten, daß alle Spielfiguren einer Farbe der Einflußnahme des ersten Spielers unterstehen und umgekehrt, alle anderen Spielfiguren dem zweiten Spieler. Ebenso kann man die Startaufstellung als Kompositionshandlung verstehen, denn Spielbrett und korrekt positionierte Spielfiguren bilden somit den spielbereiten Anfangszustand von XiangQi.
Zu beachten ist, daß alle drei Methoden zur sprachkritischen Rekonstruktion mit Bedacht angewendet werden müssen, um Unvollständigkeit oder Überladungen zu vermeiden. So ist es zum Beispiel wenig sinnvoll, auf eine Ebene zu abstrahieren, die Spielfiguren und Spielbrett als Gegenstände des chinesischen Schachspieles definiert, da diese bereits durch die Natur des Endproduktes „Computerprogramm für XiangQi“ in Beziehung gesetzt werden. Ebenso würde es im Rahmen der Umsetzung keinen Sinn machen, dem General die Fähigkeit zu geben (durch Prädikation), daß er den Fluß nicht überqueren kann, da er ja schon den Palast nicht verlassen kann.
letztes update: 2007-01-09 19:16:47 von Held (hh)
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